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Sagen & Märchen aus Niedersachsen: Die Aulken – die geheimnisvollen Zwerge an der Ems
Kleine Gestalten mit roten Zipfelmützen, geheimnisvolle Höhlen in den Dünen und nächtliche Besuche auf den Bauernhöfen: Die Aulken gehören zu den besonderen Sagengestalten des Emslandes. Über Generationen erzählte man sich Geschichten über die kleinen Bewohner an den Ufern der Ems.
⌖ Emsland
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Veröffentlicht 08.10.2026 · 11:04KI-bearbeitet
Wer waren die Aulken?
In alten emsländischen Sagen ist immer wieder von Zwergen die Rede, die je nach Region auch Aulken oder Honneken genannt wurden.
Die Aulken sollen kaum anderthalb Fuß groß gewesen sein. Der Überlieferung nach trugen sie schwarze Kleidung und rote Zipfelmützen. Ihre Behausungen lagen verborgen in Sanddünen und unterirdischen Höhlen in der Nähe der Ems.
Meist zeigten sie sich erst nachts.
Dann verließen sie ihre Verstecke und machten sich auf den umliegenden Höfen und Feldern bemerkbar. Gemüse und Korn sollen vor ihnen ebenso wenig sicher gewesen sein wie die Milch in den Ställen. Manche Geschichten erzählen davon, dass die Aulken nachts einfach die Kühe der Bauern melkten.
Das allein machte sie jedoch noch nicht zu den geheimnisvollen Wesen, vor denen sich viele Menschen fürchteten.
Denn die Aulken sollen Zauberkräfte besessen haben.
Sie konnten sich der Sage nach unsichtbar machen und verstanden sich auf allerlei geheimnisvolle Künste. Mal spielten sie den Menschen Streiche, mal brachten sie ihnen Schaden – und manchmal halfen sie ihnen sogar.
Aulken als hilfsbereite Nachbarn
Besonders interessant sind die Überlieferungen aus den Tunxdorfer Bergen.
Dort sollen Menschen und Aulken deutlich besser miteinander ausgekommen sein.
Wenn eine Hochzeit oder eine Taufe bevorstand, gingen die Menschen angeblich zu den Zwergen und liehen sich von ihnen Kupfer- und Zinngeschirr für die Feierlichkeiten.
Nach dem Fest wurde alles zurückgebracht.
Als Bezahlung legte man ein Stück Fleisch oder eine Wurst in den zurückgegebenen Kessel.
Die Aulken erscheinen in diesen Geschichten also keineswegs nur als gefährliche oder hinterlistige Wesen. Sie konnten ebenso hilfsbereit sein – solange sich die Menschen an bestimmte Regeln hielten.
Der Aulkenberg bei Borsum
Auch in der Landschaft des Emslandes haben die Geschichten Spuren hinterlassen.
Im westlichen Teil der Borsumer Berge befindet sich der sogenannte Aulkenberg. An seinem nördlichen Fuß liegt die Aulkenpütte, eine natürliche Quelle.
Schon der plattdeutsche Dichter und Bildhauer Bernhard Heller, der 1878 in Borsum geboren wurde, beschäftigte sich mit diesem sagenhaften Ort.
Bis heute führt sogar eine nach den kleinen Sagengestalten benannte Aulken-Route durch das nördliche Emstal.
Woher kamen die Aulken?
Auch darüber haben sich die Menschen früher Geschichten erzählt.
Eine alte Überlieferung aus dem Emsland erzählt von einer Mutter mit zehn Kindern. Als Gott eines Tages ihr Haus besucht habe, habe die Frau fünf ihrer Kinder im Keller versteckt.
Auf die Frage nach den anderen Kindern behauptete sie, es gebe keine weiteren.
Daraufhin soll der Satz gefallen sein, dass das, was unten sei, unten bleiben solle.
Als die Mutter später in den Keller zurückkehrte, waren die Kinder verschwunden. Sie hätten sich unsichtbar gemacht und seien fortan nur noch nachts hervorgekommen.
So seien, der Sage nach, die ersten Aulken entstanden.
Natürlich handelt es sich dabei um eine alte volkstümliche Erklärung und nicht um historische Überlieferung im heutigen Sinne.
Das Verschwinden der Aulken
Doch irgendwann sollen die geheimnisvollen Zwerge das Emsland verlassen haben.
In den alten Geschichten wird erzählt, dass die Ausbreitung des Christentums dafür verantwortlich gewesen sei. Die Aulken hätten insbesondere das Läuten der Kirchenglocken nicht ertragen können.
So verschwanden sie schließlich aus ihren Höhlen und Dünen.
Geblieben sind ihre Geschichten.
Noch heute erinnern Namen wie Aulkenberg oder Aulkenpütte an die alten Erzählungen. Und im Emsland gehören die kleinen Wesen damit zu einer ganz eigenen regionalen Sagenwelt.
Ob tatsächlich jemals kleine Gestalten mit schwarzen Kleidern und roten Zipfelmützen nachts durch die Dünen an der Ems zogen, bleibt natürlich der Fantasie überlassen.
Doch genau davon leben Sagen.
Sie bewahren Geschichten, mit denen sich Menschen früher geheimnisvolle Orte, unerklärliche Ereignisse oder besondere Landschaften erklärten.
Und vielleicht raschelt es ja doch noch irgendwo in einer stillen Nacht an der Ems.
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